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Von der kleinen, feinen Manufaktur bis hin zum Global Player: Hier könnt ihr hinter die Kulissen moderner Berliner Industrie-Unternehmen und industrienaher Einrichtungen schauen.

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Ausstellungs-Tipp: „Das Netz. Menschen, Kabel, Datenströme“

Schon vor 200 Jahren versuchten Menschen, sich über technische Hilfsmittel auszutauschen. Heute sind Internet und Telefonnetze aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Wie ist es dazu gekommen, wie verändert das Netz unser Leben? Das beantwortet die neue Dauerausstellung des Deutschen Technikmuseums Berlin.  

 „Die Privatsphäre wird zurzeit immer mehr gestört oder eingeschränkt“, meinte der Berliner Hacker Tron – das war 1998. Damals begann die Bundesregierung den „Großen Lauschangriff“, der die Überwachung von Wohnungen erlaubte. Und Tron entwickelte das Cryptofon, das Telefonate abhörsicher machte. Dieses ISDN-Telefon ist eines von den rund 550 Exponaten der neuen Dauerausstellung „Das Netz. Menschen, Kabel, Datenströme“ des Deutschen Technikmuseums Berlin. In den frisch ausgebauten Hallen der historischen Ladestraße des früheren Anhalter Bahnhofs geht es seit vergangener Woche auf 1.600 Quadratmetern um Informations- und Kommunikationsnetze, um ihre Entstehung und was sie mit uns Menschen machen.

Anhand alltäglicher Anwendungen wie Nachrichten, Navigation, Einkaufen oder Spielen werden moderne Techniken ebenso gezeigt wie die historische Entwicklung. Dabei gliedert sich die Ausstellung in die drei wichtigen Bereiche, die Vernetzung bestimmen: „CONNECT“ widmet sich den Menschen als Nutzer, „BACKBONE“ geht auf die Infrastruktur ein und „INFORMATION“ untersucht die Inhalte, die über verschiedene Netze vermittelt werden.

Zahlreiche Medienstationen und Objekte laden zum Mitmachen und sogar Anfassen ein. So können die Besucher über eine Telefonvermittlungsanlage aus dem Jahr 1952 miteinander in Kontakt treten. Oder selbst die Arbeit eines Computers übernehmen und einzelne Buchstaben in den digitalen ASCII-Code umwandeln, der dann per Lichtimpuls durch ein Glasfaserkabel geschickt wird.

Auch das eine oder andere Schmankerl findet sich unter den Exponaten, wie etwa die Mutter des „Smart Homes“: das Fallklappentableau. Es diente der Kommunikation innerhalb eines Gebäudes, etwa eines Hotels, wo es zum Herbeirufen von Bediensteten eingesetzt wurde. Das ausgestellte Exemplar wurde um 1900 von der Telegrafenbauanstalt Franz Kayser in Kreuzberg gebaut und kam vermutlich in einer Wohnung der heutigen Körtestraße Nr. 34 zum Einsatz.

Ebenfalls zu bewundern ist ein Flirttelefon aus dem 1979 gesprengten Kreuzberger Ballhaus „Resi“: Das von Siemens in den 1950er-Jahren produzierte Telefon diente der ersten Kontaktaufnahme im Tanzlokal – man konnte miteinander flirten oder jemand abblitzen lassen, ohne die Anstandsregeln zu verletzen.

Auch die Schattenseiten des Netzes veranschaulicht die Dauerausstellung. Beispielsweise anhand des Motherboards eines HP Compaq 8200 Elite: Die britische Zeitung „The Guardian“ zerstörte es 2013 auf Druck von Regierung und Geheimdiensten, um ihre Quelle nicht zu kompromittieren, den US-Agenten Edward Snowden. Während Snowden heute im russischen Asyl lebt, endete für den Hacker Tron sein (kriminelles) Treiben im Netz tödlich: Er wurde unter mysteriösen Umständen 1998 im Alter von 26 Jahren in einem Neuköllner Park erhängt aufgefunden.

Zur Ausstellung „Das Netz. Menschen, Kabel, Datenströme” gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm. Es umfasst u. a. kostenfreie Führungen, Workshops für Familien, Jugendliche und Kinder, Wissenschaftstheater für Familien und eine Schnitzeljagd per GPS.

Übrigens: gleich nebenan kann man immer noch über den LED-Laufsteg schreiten.  Jetzt, wo es wieder früher dunkel wird, lohnt sich das besonders!

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