Ich bin eine ...

Teilnehmerin von EnterTechnik

Luanna Hess ist eine der ersten Teilnehmerinnen von EnterTechnik. Das Technische Jahr für junge Frauen will Schulabsolventinnen die Vielfalt technischer Berufe aufzeigen. Innerhalb von 12 Monaten durchlaufen die Mädchen Stationen in sechs Berliner Unternehmen. Erstmals unterhielten wir uns mit Luanna vor einem Jahr. Jetzt schilderte sie uns ihre Erfahrungen mit und nach dem Programm EnterTechnik.  

Name:
Luanna Hess

Alter:
20 Jahre

Luanna, du bist eine der ersten Teilnehmerinnen von EnterTechnik. War es schwierig für dich, in das Programm aufgenommen zu werden?
Nicht wirklich. Vor einem Jahr habe ich bei Life e.V. das Tech-Casting mitgemacht. Die Aufgabe, die wir dort lösen mussten, fand ich nicht so schwer. Wenn man ein wenig technisches Verständnis mitbringt, geht das eigentlich ganz gut.

Du warst immer schon sehr technikinteressiert, oder?
Ja, privat interessiere ich mich zum Beispiel sehr für Autos. Mein Technikinteresse hat sich mit dem Projekt EnterTechnik allerdings noch weiter gesteigert.

Im Sommer 2013 hast du dich beworben, im September startete das Technische Jahr für junge Frauen. Wie ging es dann weiter?
Man konnte im Vorfeld sechs Betriebe auswählen. Meine erste Station waren die Berliner Wasserbetriebe.

War das nicht dein Traumunternehmen?
Genau. Und das ist es bis heute. Dort war ich zusammen mit einer weiteren EnterTechnik-Teilnehmerin für zwei Monate – zunächst  im Ausbildungszentrum in der Fischerstraße. Vor Ort habe ich die verschiedenen technischen Ausbildungsberufe kennengelernt – von der Elektrotechnik über den Industrie- oder Anlagenmechaniker bis hin zum Mechatroniker. Einen Schweißkurs habe ich auch gemacht.

Wie kann man sich das vorstellen? Bist du mit den Auszubildenden mitgelaufen. Oder hast du an Seminaren teilgenommen?
Man durchläuft innerhalb des Unternehmens verschiedene Stationen. Bei den Berliner Wasserbetrieben kam ich in den letzten drei Wochen auf eine Außenstelle, um den Arbeitsalltag kennenzulernen. Ich war im Zählerwesen. Dort bin ich unter anderem mit den Mitarbeitern zusammen rausgefahren und habe dabei geholfen, Wasserzähler zu wechseln

Und welche war deine nächste Station?
Das war AEMtec, eine Mikrotechnologiefirma in Adlershof. Dort war ich zwei Monate in der Produktion und habe viel mit dem Mikroskop gearbeitet. Meine dritte Station war die BSR in Tempelhof. Dort werden beispielsweise die KFZs oder Kleingeräte wie Rasenmäher repariert. Ich war in der Kleingerätewerkstatt.

Und wie ging es dann weiter?
Ich bin aus familiären Gründen aus dem Programm ausgestiegen. Außerdem erhielt ich einen Ausbildungsplatz bei den Berliner Wasserbetrieben – als Elektronikerin für Automatisierungstechnik.

Haben dir die Kontakte, die du über das Programm EnterTechnik aufbauen konntest, dabei geholfen, einen Ausbildungsplatz zu erhalten?
Ich hatte mich bereits vor dem Technischen Jahr bei den Berliner Wasserbetrieben beworben. Aber die Bewerbungsgespräche waren nach meiner Zeit dort. Ich glaube, es hat mir sehr geholfen, dass ich im Vorfeld Kontakte knüpfen konnte, und dass ich mit dem Unternehmen bereits vertraut war. Die Leute kannten mich schon. Und sie wussten, was ich kann. Über Schulnoten ist das ja immer schwer zu beurteilen. Ich wiederum wusste, was mich bei den Wasserbetrieben erwartet.

Was möchtest du einmal werden?
Mein Ziel ist es, in einem großen Betrieb zu arbeiten und mich dort weiterzuentwickeln. In welche Richtung das gehen wird, kann ich derzeit noch nicht konkret sagen. Das wird sich ergeben.

Wie war es denn, in Teams hauptsächlich mit Männern zusammenzuarbeiten?
Der Technikbereich ist sicherlich nach wie vor eine Männerdomäne. Daher habe auch ich viel mit Männern und Jungs zusammengearbeitet. Aber das war kein Problem. Es ändert sich auch langsam. Immer mehr Frauen interessieren sich für technische Berufe und kommen dazu.

Was hat dich innerhalb des Programms besonders beeindruckt?
Vor allem die große Vielfalt an Technik. Aber auch, dass die Unternehmen so viele Ausbildungsberufe anbieten. Besonderen Spaß hat es mir gemacht, mit den Mitarbeitern der Wasserbetriebe rauszufahren.

Gemeinsame Erfahrungen schweißen ja bekanntlich zusammen. Hast du über EnterTechnik Freundinnen gefunden?
Freundinnen findet man auf jeden Fall. Vor allem trifft man Mädchen, die sich ebenfalls für Technik interessieren. Ich habe sogar das Glück, dass eine andere Teilnehmerin mit mir zusammen die Ausbildung beginnen wird. Außerdem treffen wir uns immer wieder auf Veranstaltungen von EnterTechnik. So kann man Kontakte pflegen.

Würdest du das Programm weiterempfehlen?
Unbedingt. Man erhält einfach die Chance, in tolle Unternehmen hinein zu schnuppern. Selbst wenn man zwischendurch feststellt, dass das nichts für einen ist, hat man trotzdem viel gewonnen

Woran mag es deiner Meinung nach liegen, dass so viele junge Mädchen immer noch vor technischen Berufen zurückscheuen?
Ich glaube nicht, dass die meisten Mädchen Scheu vor der Technik haben. Sie haben einfach wenig Gelegenheit, mit Technik in Berührung zu kommen. Deswegen finde ich Programme wie EnterTechnik gut.
 
Interview: Ernestine von der Osten-Sacken
Fotos: © Jack Simanzik (Luanna Hess bei einer Führung von EnterTechnik bei den Berliner Wasserbetrieben mit der Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat.
 
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